Über mein gestörtes Ich, weggeworfene Schlüssel und eingerissene Mauern

Ich habe lange überlegt, ob das Internet und mein Blog hier der richtige Ort ist, für einen sehr persönlichen Einblick, aber da das ja nun mal hier mein Blog und somit auch irgendwie mein Tagebuch ist, darf es hier ja auch mal persönlich werden. Ich schreibe das hier für mich selbst, für mein gestörtes Ich und um mich später, wenn ich es mal brauche, daran zu erinnern, dass ich die Mauer nicht wieder komplett aufschichten sollte.

Mein Sein ist, solange ich denken kann, irgendwie schon immer davon bestimmt gewesen, möglichst immer „den Anderen“ zu gefallen; mich danach zu bewerten, wie mich andere sehen oder sehen könnten; es Anderen Recht zu machen, den Erwartungen Gerecht zu werden.

Meine Erwartungen an mich selbst waren und sind immer wahnsinnig hoch – zum Scheitern somit von Vorneherein verurteilt. Ich muß perfekt sein, ich muß gut aussehen, ich muß für Den- oder Diejenige Dieses und Jenes tun, weil es so erwartet wird. Ich muß helfen. Ich muß spenden. Ich muß – ich muß – ich muß!!! Die Anderen könnten dieses oder jenes denken… Und das, was ich kann oder tue, ist nicht gut genug.

Himmel Arsch!!! All dies in meinem Kopf blockiert mich und meine Gelassenheit (was ist das??? Ich bin immer und stets angespannt und unter Strom) und die Erkenntnis, dass kein Mensch in dieser Form überhaupt an mich denkt, kommt in Schüben, mal langsamer, mal schneller – manchmal vergess ich diese Erkenntnis auch wieder komplett und muß sie mir mühsam neu erarbeiten.

„NEIN“ sagen – so unglaublich schwer für mich – es könnte ja das Gegenüber von mir enttäuschen und dann werd ich nicht mehr gemocht. Gleichzeitig ist die Außenwelt mein persönlicher Feind, vor dem es sich  mit einer dicken Mauer zu schützen gilt. Menschen enttäuschen! Menschen verletzen! So oft schon ist dies passiert, so oft schon hat es so verdammt weh getan.

All dies, das Rennen und Streben nach Zuneigung, Gemocht-werden, Anerkennung von „den Anderen“ – gleichzeitig die Mauer, die alles und jeden auf Abstand hält. Das ist echt anstrengend!!!

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Ich kann nicht Nein sagen. Und ich kann nicht in kleinen Schritten sagen, das etwas nicht ok ist; ich sage lange gar nichts und dann knallts. Ich bin ein Elefant – ich vergesse nichts und es staut sich alles in mir an, bis es dann in einem Orkan aus mir herausbricht. Dies ist vor einer guten Woche so passiert, ich bin explodiert. Es war einfach zu viel in dem Moment für mich und es mußte raus.

Ich persönlich denke, Freunde verzeihen. Verzeihen einen schlechten Tag, einen Ausbruch, einen Fehler, erst recht, wenn sie ebenfalls ein schwieriger Mensch sind, mit vielen Ecken und Kanten, die man auch ab und zu verzeihen muß. In diesem Fall aber hat sich einfach die Tür geschlossen. Sie knallte zu, ich war nicht mal ein einziges Wort wert, ich wurde einfach aus ihrem Leben ausradiert, Freundschaft gelöscht, Chat geblockt. So einfach ist das. Tür zu. Knall. Rums. Abgeschlossen, Schlüssel ins Weltall entsorgt – ich wurde schlichtweg weggeschmissen.

Für mich hat sich da natürlich die Frage gestellt, ob das dann überhaupt eine Freundin war???! Sie sagte mir immer: „sag, wenn was ist“ – nun tat ich das – zwar explosionsartig, aber ich tat es – und dann kam als Reaktion nur noch das „Tschüss, Adieu – Du kannst mich mal“. Hm.. im ersten Moment bin ich geneigt, das tatsächlich so zu sehn, dass sie keine Freundin für mich war. Die Heftigkeit ihrer Reaktion verrät mir allerdings etwas Anderes, so reagiert man nur, wenn man selbst auch verletzt ist; und auch während der Zeit unserer Freundschaft waren da für mich kleine Momente, die meinem Herz sagen: Nein, da war Zuneigung. Da mochte Dich jemand, das war keine reine „Nutzbeziehung“. Aber genauso wie ich, kannst auch Du nicht aus Deiner Haut. Du bist, wer Du bist. Und Du reagierst, wie Du es eben für Dich mußt.

Ich bin Dir nicht egal.  Dein Blick starr nach vorne, wenn Du an unserem Haus vorbei läufst – bloß nicht zu uns ins Fenster sehen, Unsere Freundschaft online wie im realen Leben löschen, Deine Chatblockade, Deine Whatsapp-Blockade, Dein „Nicht-an-die-Tür-gehen“ – das macht niemand, dem man total egal ist. Dennoch war es Deine Entscheidung, die Tür zu schließen. Ich bin nach wie vor traurig darüber. Ich weiß nicht, wie lange es wehtut. Ich weiß nicht, ob wir je wieder ein Wort wechseln; ob Du weiterhin die Nr. 18 komplett ignorieren willst, Dein Leben lang. Das wäre auf Dauer doch ziemlich anstrengend. Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig eingeschätzt habe oder ob es Dir überhaupt irgendwas ausmacht – am Ende ist es Dir vielleicht doch komplett egal?? Wer weiß das schon außer Dir.

Es ist wie es ist. Aber dies ist eben auch ein Anfang – es schließt sich eine Tür, es öffnet sich eine Neue. Wenn ICH es zulasse. Bislang war ja so oft ich es, die die Türen hinter sich verschlossen hat. Nicht nur hinter mir, sondern auch vor mir. Als Vorsorge, Vorbeugung – da könnte mich ja jemand verletzen!

Ja, Menschen verletzen. Verletzungen tun weh. Ich bin auch ein Mensch, ich verletze ebenso! Und ich bin nicht perfekt, bei weitem nicht. Und wer außer mir selbst sagt denn, dass ich perfekt sein muß!??? Und ich für mich hoffe, dass ich, wenn ich einen Fehler mache, Menschen um mich habe, denen ich wichtig genug bin, dass sie mir nicht die Tür vor der Nase zuschlagen und abschließen. Wer das doch tut, ist dann offensichtlich nicht der richtige Mensch – der richtige Freund –  für mich.

Ich möchte für mich keine Türen mehr hinter mir verschließen.  Oder wenn, dann werde ich zumindest nicht abschließen. Der Schlüssel soll steckenbleiben. Ab und zu knallt sicherlich eine Tür auch mal zu, im Eifer, im Gefühlswahn, im Zorn, im Orkan. Doch die meisten Türen lassen sich mit ein wenig gutem Willen, Nachsicht, Verständnis, Vergebung und vor allem Zuneigung  wieder öffnen. Ganz oder auch nur einen Spalt. Und auch die Türen, die da vor mir liegen, die will ich nicht von Vorneherein geschlossen lassen, ich möchte sie öffnen. Vielleicht nicht alle – aber mal hineinschauen, vorsichtig. Und durch Einige hindurchgehen.

Es ist mein Leben, und ich möchte mich nicht weiterhin selbst blockieren. Ich will meine Mauern nicht wieder aufbauen, jetzt wo gerade die Steine am Boden liegen. Was hat mir meine Mauer genützt bislang?? Ich habe sicherlich viele schöne Momente verpasst, immer auf der Hut vor Verletzung. Doch verletzt werde ich sowieso – so ist das halt, wenn man sich öffnet und wenn man Gefühle investiert, Gefühle lebt. Verletzbarkeit ist keine Schwäche – im Gegenteil. Sich verletzlich zeigen, offen zu sein, finde ich verdammt mutig. Verletzbarkeit ist vielleicht der Preis, um auf der anderen Seite einfach glücklich sein zu können.

Ich will  mich nicht mehr mit meinen Gefühlen verstecken, ich will sie oder mich nicht mehr als wertlos betrachten oder als „Bullshit“ – ich habe Gefühle und ich mache Fehler, aber ich mache auch so Vieles richtig!!! Ich bin nicht so klein, wie ich es von mir ständig denke – ich muß mich nicht verstecken. Ich will und werde mich nicht mehr unter Wert verkaufen. Ich kann Einiges und das ist in meinem Selbstbewußtsein irgendwie immer noch nicht richtig angekommen. Es gibt Menschen, die mich mögen und denen ich wichtig genug bin.

Ich bin ich. Und das ist genau richtig so. Für diese Erkenntnis brauchte es wohl eine zugeschlagene Tür.

Ich bin viel stärker, als ich je dachte.

 

Ein Gedanke zu “Über mein gestörtes Ich, weggeworfene Schlüssel und eingerissene Mauern

  1. Liebe Katja,

    Respekt vor Deinem Mut, Dich in aller Oeffentlichkeit „so auszuziehen“, schonungslos und offen! Ich wuensche mir fuer Dich, dass die Menschen, egal ob sie Dich absichtlich oder auch ohne Absicht verletzt haben, Deinen Artikel aufmerksam lesen, um dann vielleicht zu der Erkenntnis zu kommen, dass manche Gefuehle, wie Du sie beschreibst und empfindest, auch die eigenen sein koennten.

    Ich persoenlich finde in keiner Weise, dass Du irgendwelche Komplexe haben solltest.
    Du bist eine starke, zielstrebige Frau, die sich auch fuer die Schwachen unserer Gesellschaft einsetzt und immer ein offenes Ohr fuer die Noete von Mensch und Tier hat.

    Du kannst es nicht allen recht machen, Du findest auch nicht alle sympathisch und das Leben verlaeuft manchmal auch ganz anders, als Du es Dir vielleicht ertraeumt hast. Ich finde, Du kannst mit Fug und Recht stolz sein auf das, was Dein Leben ausmacht; Deine kleine Familie, Euer Haeuschen mit Garten, Saywer, Wilson und Sammy, Deine schoenen kreativen Hobbies…

    Sei einfach Du selbst und dabei nicht zu kritisch; Du weisst doch: Nobody is perfect!

    Ich habe Dich sehr lieb, so wie Du bist, und ich bin sehr stolz auf meine tolle Tochter!

    Deine Mama

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